| Als nächstes setzen wir unsere Hoffnung auf Elke Krystufek.
Manche nennen sie schon das neue Idol der Neunziger. Zu Wests bodenständigem
Grummeln ist ihr Nomadisieren das krasse Gegenteil. Ein eigenes Atelier
braucht sie nicht. Ihr Medium ist allgegenwärtig. Es ist der Blick
des Voyeurs und der Voyeurin - alle schauen und alle sind den anderen Blickobjekt.
Krystufek thematisiert die Inszenierungen, die daraus entstehen, besonders
die privat-intimen. Und da wird es ja auch für das Österreich-Bild
interessant, denn Vergleiche zum Fremdenverkehr - man denke nur an die "Piefke-Saga"
und die vielen Pensionsfamilien, deren Privatleben in den Urlaubszeiten
zu Peepshows werden - liegen auf der Hand. Das Progressive an Krystufeks
Kunst ist es, eine Intimsphäre des Privaten erst einmal zu leugnen.
Soll die peinsame Öffentlichkeit doch alles sehen! Und so schwankt
sie wie die Saisonrhythmen zwischen totalem Exhibitionismus und zurückgezogener
Meditation. Manchmal fällt auch beides in eins: Bei ihrem Masturbieren
in der Ausstellung "Jetztzeit" der Kunsthalle Wien, so Krystufek,
hätte sie sich sogar vor Publikum gut entspannen können. Wir treffen
Elke Krystufek schließlich in einer kleinen Konditorei. Auf ihr Österreich-Bild
angesprochen, beginnt sie von "Billa" zu schwärmen. Eine
Filiale dieser Supermarktkette ist auch in dem Haus, in dem sie wohnt. Mit
dem Einkaufswagen durch die Gänge zu fahren, findet Elke Krystufek
toll, und Billas knallig bunten Plastiktüten liebt sie. Eines dieser
gelb/roten Dinger trägt sie daher fast immer bei sich, denn obwohl
ihre künstlerischen Medien ansonsten eher Video und Malerei sind -
das Skulpturale des Einkaufens möchte sie nicht missen. Überdies
hat die Tüte auch einen gemeinnützigen Effekt: Wo immer Krystufek
ist - und als Shooting-Star kommt man viel rum - erkennt jeder Passant zwischen
all den anderen ordinären Werbebotschaften: Ein kleiner Gruß
aus Austria. |