Servus in Österreich  Tourismus und "Home Art": Franz West
Der erste Lokalaugenschein führt in das Atelier von Franz West, Hinterhof, 3. Wiener Gemeindebezirk, nach vorne der Donaukanal und in nächster Nähe das Hundertwasser-Haus, dessen Besucherverkehr die Straßen versperrt. Das Atelier gleicht eher einer Schlosserei, überall liegen Eisengestänge, Schweißapparate, und die Heraklitplatten stecken voller Schlacke und Dreck. Das also ist die Bastelstube des derzeit neben Arnulf Rainer bekanntesten Künstlers Österreichs. Auf dem Tisch suhlt sich das Telefon in Farbpfützen, und hier und da liegen einige Plakatcollagen und grindige Gipsskulpturen umher. Die Sitzgelegenheiten bestehen aus rohen Metallgestellen, über die alte Teppiche gebreitet sind. Manchmal findet sich auch noch eine Liegerolle - dann wird es gleich weicher. In Kassel, zur letzten Documenta, stattete Franz West ein ganzes Freiluftkino mit solchen Liegen aus. Vor Ort bringen sie allerdings mehr die Psycho-Couch Dr. Sigmund Freuds in Erinnerung - besonders angesichts der kauzigen Gestalt, die, hinter dicken Brillengläsern, auf einem der Sofas sitzt und schweigt. "Kommst halt wieder mal", murmelt West dem Gast zum Abschied zu. Franz West braucht seine Lemuren zum Zusammensitzen und zur Inspiration. Auch seine Ausstellungen von Nizza bis New York richtet er so ein, daß er sich "zuhause fühlt". Auf die Frage nach seinem Österreichbild weist der "Home Art"-Erfinder lakonisch auf die mit Noppenfolie verblendeten Fenster: "Mehr will ich davon gar nicht sehen".